Mittwoch, 3. März 2010

Veränderung

Haben Sie das einmal erlebt - eine Ausstellung, aus der Sie als anderer Mensch herauskamen? Die Veränderung, ausgelöst durch eine Irritation, eine Provokation, eine Verunsicherung, muss nicht gross sein. Etwas im Inneren wird berührt, bewegt. Beim Weitergehen eine leichte Richtungsänderung.

Mir ist es in den 90er Jahren passiert in einer Ausstellung zum mittelamerikanischen Totenfest ‚Dia de los Muertos’ im Oakland Museum of California. KünstlerInnen, KunsthandwerkerInnen, Schulklassen und EinwohnerInnen Oaklands beteiligten sich an der Ausstellung und gestalteten vielfältige, wunderschöne Altare, mit denen sie ihrer Verstorbenen gedachten und sie nach mittelamerikanischen Brauch zum Fest einluden.










Bild Gwen Harlow


Oakland ist eine Stadt, deren EinwohnerInnen mit Gewalt konfrontiert sind. Mit dieser Ausstellung bot das Museum Raum, diese Erfahrungen zu teilen und kulturelle Ressourcen, die helfen konnten mit der Trauer umzugehen.

Diese Rolle des Museums als öffentlicher Ort des gemeinsamen Umgangs mit relevanten Themen hat mich sehr beeindruckt. Ich war damals in einer Zeit beruflicher Veränderungen, steckte mitten im Studium der Geschichte, Volkskunde und aller interessanter Themen, die gerade meinen Weg kreuzten. Zum Museum hatte ich immer noch ein verstaubtes Bild im Kopf - ein verdunkelter Raum, wo man vor allem seine Kinder ruhig halten musste. In Oakland war eine Intensität zu spüren, die ich nie zuvor in einem Museum erlebt hatte. Hier geschah offensichtlich etwas, das für die Anwesenden von Bedeutung war.










Bild Gwen Harlow


Als ich die Ausstellung verliess, wusste ich, welchen beruflichen Weg ich einschlagen wollte. Das Museum als öffentlicher Raum für die gemeinsame Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen – in diesem Bereich tätig zu sein war etwas vom Spannendsten, das ich mir vorstellen konnte.

Mehr als zehn Jahre später ist die Faszination geblieben. Mit diesem Blog möchte ich Themen aufgreifen, die mit Ausstellen und Gesellschaft zu tun haben: Partizipation, Interaktivität, soziale Objekte, das Museum als Forum. Schreiben ist zwar nicht mein bevorzugtes Ausdrucksmittel, aber doch ein nützliches Werkzeug zum Austauschen von Gedanken. Ob ich mir die Zeit dazu werde nehmen können? Einen Versuch ist es allemal wert. 

1 Kommentar:

  1. Liebe Hanna,
    Ich finde Dein blog sehr schön und man lernt davon und hat spass gleichzeitig. Ich bin gespannt auf die kommenden Themen!
    André

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